publiziert: 09.08.2012 16:21 Uhr
aktualisiert: 11.08.2012 12:02 Uhr
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Erfahrungen austauschen und Mut schöpfen

Selbsthilfegruppe für Aphasie und Schlaganfall besteht seit zehn Jahren
  • Gönnt sich einen Ausflug in die Weinberge: die Selbsthilfegruppe Schlaganfall und Aphasie.
    Foto: Elisabeth Assmann
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Hoch über den Feldern und Weinbergen Hammelburgs lässt es sich im Garten der Weinbergshütte Vicina des Hotels Kaiser gut aushalten. Ein idyllischer Ort im Ganstal an einem warmen Sommernachmittag. Die Umstände, die die Menschen zusammengebracht hat, sind weniger schön. Seit zehn Jahren treffen sich rund 20 Betroffene der Selbsthilfegruppe für Aphasie und Schlaganfall Hammelburg und deren Angehörige regelmäßig, um mit den Folgen eines Schlaganfalls und Aphasie nach dem Klinikaufenthalt zurechtzukommen.

Schlaganfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen und ist die häufigste Ursache für mittlere und schwere Behinderungen in Deutschland. Verursacht werden sie durch Blutungen und Durchblutungsstörungen im Hirn. Halbseitige Lähmungen, Sprachausfall und -störungen (Aphasie) sind die bekanntesten Symptome.

„Die Selbsthilfegruppen sind sehr wichtig, um Erfahrungen auszutauschen und auch wieder Lebensmut zu schöpfen. Dafür ist im medizinischen Behandlungsprogramm durch Ärzte, Physiotherapeuten und Logopäden zu wenig Zeit“, erklärt die Leiterin der Selbsthilfegruppe Hammelburg, Elfriede Hartmann. Vor sieben Jahren erlitt sie mit 60 Jahren selbst einen Schlaganfall. „Jeder Schlaganfall verläuft anders. Ich hatte Glück, war innerhalb von drei Stunden in der Klinik. Da konnte noch die sogenannte Lysetherapie durchgeführt werden. Sofort danach habe ich versucht, Kreuzworträtsel auszufüllen. Nach drei Wochen habe ich das Heft noch einmal angeschaut und selbst gemerkt, dass alle Worte falsch geschrieben waren. Ich wollte unbedingt mich wieder richtig ausdrücken können. Deswegen habe ich nach Gleichgesinnten gesucht und bin über eine Anzeige in der Zeitung auf die Selbsthilfegruppe in Hammelburg gestoßen.“ Im Gespräch mit Hartmann ist nichts von ihrem Schlaganfall zu merken. „Doch wer mich von früher kennt, weiß den Unterschied. Manchmal muss ich auch noch nach den richtigen Begriffen suchen. Das Vorlesen für meinen jetzt siebenjährigen Enkel hat mich dazu angespornt, weiter zu üben“, erzählt sie stolz. Die Selbsthilfegruppe trifft sich nicht nur zum Kaffeetrinken. Dieses Jahr hat sie unter anderem die Umweltstation in Sennfeld besucht, einen Ernährungsvortrag gehört, außerdem standen ein Märchenerzähler und Lachyoga auf dem Programm.

Diplom-Sozialpädagogin Corinna Köth ist mit dabei beim Ausflug zur Weinbergshütte. Sie betreut hauptamtlich die Selbsthilfegruppen in Unterfranken und ist mit der Neurologischen Reha-Klinik in Neustadt in Kontakt, um Betroffenen nach der Klinikphase Unterstützung zu leisten. „Wir brauchen die Eigeninitiativen der Selbsthilfegruppen, denn das, was die Ehrenamtlichen leisten, könnten wir wenigen Hauptberuflichen nicht abdecken,“ freut sie sich über die Hammelburger Selbsthilfegruppe. Auch Bekannte aus den benachbarten Selbsthilfegruppen sind angereist.

„Gott wollte mich noch nicht haben, jetzt habe ich ein zweites Leben und versuche es so wie ich kann zu genießen“, bemerkt Anton Eilingsfeld. Er war mit seinem Schlaganfall vier Tage alleine in der Wohnung gelegen, weil alle dachten, er sei auf Karneval in Köln. Das ist nun siebeneinhalb Jahre her. Der 51-jährige Ingenieur sprüht nur so vor Lebensmut. Trotz seiner halbseitigen Lähmung arbeitet er wieder in Teilzeit. Für die Selbsthilfegruppe engagiert er sich sehr, besucht Seminare und ist öfters im Zentrum für Schlaganfall und Aphasie in Würzburg.

Selbsthilfe

Allgemeine Informationen zu Schlaganfall und Aphasie bietet das Zentrum für Aphasie und Schlaganfall Unterfranken in Würzburg durch Heino Gövert, Tel. (09 31) 2 99 75-13 oder Corinna Köth Tel. (01 60) 94 13 77 93 oder per E-Mail: koeth@aphasie-unterfranken.de. Fragen zur Selbsthilfegruppe in Hammelburg beantwortet Elfriede Hartmann Tel. (09 71)9 91 22. Weiter geht es mit den Treffen im Maria-Probst-Seniorenheim, Karlsbader Straße 1, im September – jeden zweiten Mittwoch im Monat von 14.30 bis 16.30 Uhr. Es gibt eine weitere Selbsthilfegruppe in Bad Brückenau und eine Kommunikationsgruppe in Bad Kissingen.

Von unserer Mitarbeiterin Elisabeth Assmann
    
    

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