aktualisiert: 07.08.2012 19:48 Uhr
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MÜNCHEN
Als Anna tanzte Silvia Seidel sich in Millionen Herzen
Die Polizei geht von Suizid aus – Wie viele andere Kinderstars konnte die Schauspielerin nicht mehr an ihre ersten Erfolge anknüpfen
Millionen Fernsehzuschauer kennen sie aus der 80er-Jahre-Serie „Anna“. Jetzt ist Silvia Seidel gestorben. Sie wurde nur 42 Jahre alt. Ein Schock für Freunde und Kollegen, auch für Patrick Bach, mit dem sie in „Anna“ spielte. Silvia Seidels Agentin Cornelia Hartmann von der ZAV Künstlervermittlung in München bestätigte den Tod der Schauspielerin. „Wir haben keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München, von der Münchner Polizei hieß es am Dienstag: „Deswegen gehen wir derzeit von einem Suizid aus.“ Wie verschiedene Medien berichten, soll bei Seidel ein Abschiedsbrief gefunden worden sein.
Seidel war 1987 als junges Mädchen in der Rolle einer Ballettschülerin mit der ZDF-Serie „Anna“ berühmt geworden (siehe unten). Die gebürtige Münchnerin tanzte sich in Millionen Herzen. Seidel erhielt einen Bambi und die Goldene Kamera. An der Seite von Patrick Bach spielte die Schauspielerin mit den langen blonden Haaren eine talentierte Ballerina, die eine Wirbelverletzung erleidet, sich aber durch harte Arbeit trotzdem eine Karriere als Tänzerin erkämpft. Silvia Seidel war fortan ein Star – viele Mädchen ließen sich von der Ballettbegeisterung anstecken und stürmten die Tanzschulen.
Für den 44-jährigen Bach war die Todesnachricht ein Schock. „Mich trifft das genauso unvorbereitet wie wohl die meisten anderen“, sagte der Darsteller, der in „Anna“ als Rainer in die junge Tänzerin verliebt ist. Lange habe er Silvia Seidel nicht gesehen. „Aber vor wenigen Wochen hatten wir ein gemeinsames Casting. Und wir hatten Spaß zusammen.“
Trotz des Erfolges versuchte Seidel, sich von dem „Anna“-Image zu lösen. „Ich weiß genau, was ich will, und nichts anderes werde ich tun: Rollen spielen, die mir gefallen, und hoffen, dass ich in diesen Rollen den Leuten gefalle“, sagte sie als 20-Jährige. Das erwies sich aber als schwierig, große Rollen blieben aus. So wie viele andere Kinderstars konnte sie nicht mehr an ihre ersten Erfolge anknüpfen. Sie spielte in diversen Filmen und trat im Theater auf. 1992 dann ein Schicksalsschlag: Ihre Mutter nahm sich das Leben. „Sie litt unter einer Krankheit, die schlimmer als Aids und Krebs zusammen ist: unter Depressionen“, erklärte Seidel.
Finanzielle Probleme
Für das einstige Jugendidol folgten schwierige Jahre. Auch finanziell hatte die Schauspielerin zu kämpfen. Die Illustrierte „Freizeit Revue“ schrieb im März 2011 gar von einem „bitteren Absturz“. „Ich bin oft arbeitslos und weiß dann nicht, wovon ich die Miete zahlen soll“, hatte Seidel dem Blatt anvertraut. „Ich bin schon froh, wenn ich als freier Schauspieler überhaupt Arbeit bekomme. Es ist schwer, davon zu leben.“ Seidel spielte in diversen TV-Serien wie „Weißblaue Geschichten“ und „Forsthaus Falkenau“ mit. Im Herbst hätte sie eine Theatertournee begonnen.
Vor Seidels Wohnung im Münchner Glockenbachviertel versammelten sich am Dienstag Journalisten. In der Eckkneipe „Bei Maria“ war Seidel Stammgast. „Sie ist tagelang nicht gekommen“, berichtete Gastwirtin Maria Mukalovic. „Da habe ich mir Sorgen gemacht – ich dachte, es muss etwas passiert sein.“ Sie habe am Montag vor einer Woche einen Gast gebeten, die Polizei anzurufen. Laut der Tageszeitung „tz“ wurde Seidel leblos in ihrer Küche gefunden.
Der ZDF-Mehrteiler „Anna“
Die sechsteilige Serie „Anna“ war vor 25 Jahren der ZDF-Weihnachtsmehrteiler, wie es in den 80er und 90er Jahren einige gab. Er stammte aus der Feder von Justus Pfaue, der auch die Bücher zu anderen Serien dieser Art wie „Patrik Pacard – Entscheidung im Fjord“ oder „Oliver Maass“ schrieb. Mit bis zu zwölf Millionen Zuschauern war „Anna“ 1987 sehr erfolgreich. Etwa ein Jahr später kam „Anna – Der Film“ ins Kino. Das Lied „My Love is a Tango“ aus der Serie – gesungen von Guillermo Marchena – war ein Nummer-eins-Hit in Deutschland. Es geht in der Serie um die junge Tänzerin Anna Pelzer (Silvia Seidel), die nach einem Autounfall ihren Lebensmut verliert, weil sie glaubt, nie mehr tanzen zu können. In der Klinik lernt Anna den gleichaltrigen Rainer (Patrick Bach) kennen, der im Rollstuhl sitzt. Mit seiner Lebensfreude reißt er sie aus ihrer Trägheit. Rainer, der gerne Videofilme dreht, verliebt sich in Anna, die jedoch erst mal nur Augen für den hübschen Jakob hat, mit dem sie wieder tanzen lernt. Anna schafft es, Schülerin bei der strengen Tanzlehrerin Madame Irena Králowá zu werden. Die schickt Anna zu einem Talentwettbewerb nach Paris. Ein Stipendium dort schlägt Anna jedoch aus, um weiter bei Králowá Unterricht zu haben. Sie bekommt eine Nebenrolle in „Schwanensee“. Nach dem überraschenden Tod ihrer Lehrerin bleibt am Ende der Serie zunächst unklar, ob Anna und Rainer zusammenkommen oder Anna die Paris-Chance doch noch nutzt.
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